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Latein erleben – ausserschulische Lernorte

Wie können wir heute ausserhalb des Schulzimmers Latein anwenden? Wo können wir den Römern begegnen? In Rom oder in Pompeji, natürlich. Aber auch ganz in der Nähe haben die Römer und ihre Sprache Spuren hinterlassen. Gerne nehmen wir Sie mit an ein paar ausserschulische Lateinlernorte. Haben Sie schon bemerkt, wie viele Götter in St. Gallen von den Fassaden auf uns runterschauen? Merkur, der Gott des Handels – zu erkennen an seinem geflügelten Hut, Dionysos-Bacchus, Poseidon-Neptun, Athene – für ihre Weisheit und ihr Talent im Weben bekannt – sind in der Textilstadt omnipräsent. Welche Botschaft wollten uns die reichen Kaufleute, die diese Gebäude um die Jahrhundertwende zum 20. Jh. erbaut haben, vermitteln? Mit welchen Göttern würden wir heute unsere Häuser schmücken?

Auch Gallus und Wiborada lernen wir in situ kennen, bevor wir ihre «vitae» im Unterricht lesen. Wir lauschen der Steinach und überlegen uns, wie Gallus den Bär überzeugen konnte, ins Appenzellerland zu fliehen (wo er nicht nur auf den Kantons- sondern auch auf vielen Gemeindewappen landete).

In der Stiftsbibliothek dürfen die Lernenden des Schwerpunktfachs Latein einen der grössten dort verwahrten Schätze studieren: die Vergil-Handschriften aus dem 4. Jh. n. Chr., die durch Zufall die Jahrhunderte überdauert haben, als Einfasspapier für spätere Manuskripte.

Mit den 3. Klassen besuchen wir das einzige Legionärslager der Schweiz: Vindonissa. Dort erfahren wir, was ein Abfallhaufen aus der Antike über den Alltag der Römer erzählt, welche wirtschaftliche Bedeutung ein Legionärslager für die lokale Bevölkerung hatte, wie antike Ärzte komplexe Operationen durchführten, und welche strategische Bedeutung die Schweiz damals wie heute durch ihre geographische Lage innehat. Im Museum entziffern wir auf Holztäfelchen fast 2000 Jahre alte Briefe an und von römischen Legionären, die in der Schweiz stationiert waren: Frater si vales bene est. Vero ego valeo. «Geht es dir gut, Bruder, ist das wirklich erfreulich, mir geht es gut.» In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Freude beim Stöbern und Entdecken. Bene valetis!

Rebecca Graf

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