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«Das Ziel der Beratung bestimmen die Jugendlichen selbst» – Kurzinterview mit Claudia Jost

Interview mit unserer Schulpsychologin Claudia Jost

Claudia Jost vertritt an der Kanti Trogen Sarah Klarer, die sich aktuell im Mutterschaftsurlaub befindet. Im Kurzinterview erzählt sie uns, an wen sich die psychologische Beratung richtet und wie Schülerinnen und Schüler mit ihr in Kontakt treten können.

Claudia Jost

Claudia, stell dich uns doch bitte einmal kurz vor …
Mein Name ist Claudia Jost. Ich habe nach der Ausbildung zur Primarlehrerin berufsbegleitend an der Universität Zürich Psychologie studiert und danach 20 Jahre lang im Kanton St. Gallen als Schulpsychologin gearbeitet. Seit dem 1. Mai 2022 bin ich zu 40 Prozent in Appenzell Innerrhoden als Schulpsychologin tätig.

Was führt dich an die Kanti Trogen? Bist du hier schon «angekommen»?
Sarah Klarer, die aktuell die psychologische Beratung an der Kanti anbietet, hat für ihren Mutterschaftsurlaub eine Stellvertretung gesucht. Sarah ist meine ehemalige Arbeitskollegin und sie ist mit diesem Anliegen auf mich zugekommen. Im Zusammenhang mit meinem Stellenwechsel nach Appenzell Innerrhoden habe ich das Angebot an der Kanti Trogen sehr gerne angenommen.

Du bist hier in einem 30 Prozent-Pensum angestellt. Wofür bist du genau zuständig?
Die Jugendlichen können sich bei mir melden, wenn sie bei schulischen oder privaten Problemen eine persönliche individuelle Beratung wünschen. Ich versuche, mit den Jugendlichen konkrete Lösungswege zu erarbeiten. Das können kurze Beratungen von einer Stunde sein oder auch längere Begleitungen.

Man liest aktuell häufig von einer Überlastung der psychologischen Jugenddienste. Woher kommt das und nimmst auch du dies wahr?
Tatsächlich besteht in der Schweiz seit Jahren ein Defizit im Bereich der psychologischen Beratungen für Jugendliche. Diese Unterversorgung wurde durch die Pandemie zusätzlich verschärft. Jugendliche befinden sich in einer sensiblen, herausfordernden Entwicklungsphase. Sie suchen nach der eigenen Identität, wollen ihre Träume verwirklichen. Zudem sind sie oft zum ersten Mal mit Krisen konfrontiert –  und ich kann sie mit meiner Erfahrung zur Bewältigung derselbigen unterstützen.

Mit welchen Anliegen kann ich denn konkret als Schüler beziehungsweise Schülerin zu dir kommen?
Grundsätzlich wollen die Jugendlichen, dass sie ihre Ziele wie beispielweise Promotion der Klassenstufe, Matura, Studium erreichen können. Schlafstörungen, Konflikte mit den Eltern, Kollegen, Lernschwierigkeiten, allgemeine Ängste, Prüfungsängste, Leistungsproblemen, Stresssituationen, Schlafstörungen, Angstzustände, Essprobleme, Suchtmittelprobleme oder andere Probleme behindern sie oftmals im Erreichen ihrer Ziele. Das ist dann oft ein Anlass, eine Beratung in Anspruch zu nehmen.

Wie kann man dich erreichen?
Am besten erreicht man mich über oder unter der Telefonnummer 079 389 45 48. Ich vereinbare dann einen Ersttermin mit den Jugendlichen. Die Beratung findet im neuen Konvikt im NK-Zimmer 108 im ersten Stock statt. Für eine Beratung reserviere ich in der Regel eine Stunde.

Beratung und Begleitung

 

Bleibt es anonym, was bei und mit dir besprochen wird?
Ja, die Gespräche sind absolut vertraulich. Ohne Rücksprache mit den Betroffenen werden keine Informationen weitergegeben. Ich darf nur im Einverständnis der Jugendlichen Kontakt mit Eltern, Lehrpersonen, Abteilungsleitungen oder der Rektorin aufnehmen. Sollte die Jugendliche beziehungsweise der Jugendliche jedoch persönlich gefährdet sein, zum Beispiel durch suizidale Absichten, bin ich natürlich verpflichtet, entsprechend zu handeln. Ich mache die Jugendlichen jeweils im ersten Gespräch auf meine Schweigepflicht und wie ich diese handhabe aufmerksam.

Wolltest du hier bei dieser Gelegenheit gerade noch etwas loswerden?
Die psychologische Beratung soll niederschwellig sein. Es dürfen auch kleine Alltagssorgen sein, die man einfach mal mit jemanden besprechen möchte. Immer wieder durfte ich erleben, wie positiv Jugendliche auf eine Beratung ansprechen und diese für sich nutzen können. Die Beratung ist kostenlos und freiwillig. Das Ziel der Beratung bestimmen die Jugendlichen selbst.

Das Gespräch führte Raphael Labhart am Juli 2022.

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