Die Idee – Biodive
Ein Gedanke, der im Unterricht seinen Anfang nahm, ist nun Realität: Eine Bushaltestelle, die nicht nur Schutz vor Regen bietet, sondern auch einen Lebensraum für Insekten, Vögel und Pflanzen. Unsere ehemalige Schwerpunktfachklasse Biologie und Chemie der Kantonsschule Trogen, hat im Jahr 2021 das Projekt Biodive, im Rahmen des Wettbewerbs Science on the Move (Stiftung Simply Science) gestartet, welchen wir gewonnen haben.
Die Kommunikation und die Umsetzung wurden in diesem nationalen Wettbewerb Englisch gehalten, der in der Wissenschaft gängigen Sprache. Dem Namen Biodive liegt das Wortspiel mit «in die Biodiversität eintauchen» zugrunde.
Als Wettbewerbsaufgabe galt es ein nachhaltiges System zum Wohle des Menschen zu erstellen, zu planen und in einem Modell und einem Film umzusetzten. Der Weg zur Idee war nicht ganz einfach. Hitzige Diskussionen zu Beginn über diverse Vorschläge, vom smarten Garten bis hin zur Biodieselproduktion, begleiteten unsere Ideenfindung. Doch ein Thema zog sich durch alle Diskussionen: der Rückgang der Insekten in der Schweiz. Fast 60 % aller bekannten Arten gelten als bedroht. In einem Alltag voller Beton und Asphalt wollten wir einen Ort gestalten, der kleinen Lebewesen wieder Raum gibt.
So entstand das Konzept eines Bushäuschens als grüne Insel, mitten im urbanen Raum – bepflanzt, modular aufgebaut und ergänzt durch einfache Elemente wie einem Regenwasserspeicher, einem Solarpanel und Nistmöglichkeiten. Über einen QR-Code gelangen Interessierte zu einer Webseite mit Informationen über die verwendeten Pflanzen, und die Tiere, die hier ihre Heimat finden.
In Bezug auf den jetzigen Standort fanden einige Anpassungen für das Bushäuschen Schopfacker statt. So wurde auf den Regenwassertank mit Solarbetriebener Pumpe verzichtet. Im heute, oft zubetonierten urbanen Raum wäre die kontrollierte Bewässerung des Dachs auch eine Möglichkeit der lokalen Kühlung. Der zusätzliche Pflanztrog ermöglicht den Wartenden einen Einblick auf die Bepflanzung, die sich auf dem Dach fortsetzt und Nahrungsangebot für die Insekten darstellt.
Ein Bushäuschen – eigentlich ein Ort des Wartens – wurde bei uns zu einem Ort des Wachsens und Lebens. Wir zeigen damit, dass nachhaltiges Denken überall Raum finden kann – selbst auf kleinsten Flächen. Als sogenannte Trittsteinbiotope leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Biotopvernetzung und entfalten dabei eine überraschend grosse Wirkung. Ein Dach, das normalerweise ungenutzt bleibt, wird zum Rückzugsort für Hummeln, Vögel oder Fledermäuse. Und wer dort auf den Bus wartet, bekommt vielleicht einen Blick darauf, was im Alltag schnell übersehen wird.
Dass unsere Idee nun tatsächlich umgesetzt wird, freut uns sehr. Aus einer Idee im Klassenzimmer ist etwas Greifbares geworden.
Der folgende Link führt zum Film der als Teil des Wettbewerbes im Jahr 2021 von der Klasse des Schwerpunktfachs Biologie und Chemie erstellt wurde.
Khaled Kurdi, Chemieingenieurwissenschaften ETH Zürich
Seraina Martinet, Medizinstudentin Universität Zürich
(2021 Lernenden der Schwerpunktfachklasse Biologie und Chemie, der Kantonsschule Trogen)